
Velbert. Es gibt Traditionen, die wollen gepflegt werden. Der Besuch der Tollitäten im Verlagsbüro des Super Tipp in der Velberter Innenstadt gehört dazu. Julian I. und Lina I. plauderten aus dem Nähkästchen.
Statt Blau und Weiß dominierten am Mittwoch beim Super Tipp an der Friedrichstraße die Farben Rot und Weiß – das Prinzenpaar Julian I. und Lina I. und Kinderprinzessin Valeria I. waren samt Gefolge zu Gast im Verlagsbüro. Nach der Begrüßung und den obligatorischen Tanzeinlagen plauderten die Tollitäten über das, was ihnen die fünfte Jahreszeit bislang beschert hat. Spannend und nicht nicht so anstrengend sei die Session bisher verlaufen, blickt Prinz Julian I. auf das Erlebte zurück. “Es ist interessant zu sehen, wie um uns herum gefeiert wird, vor allem wenn man nur den Karneval aus Velbert kennt”. Prinzessin Lina I. war beeindruckt von einem Besuch bei der Kreispolizeibehörde in Mettmann – “Da sind wir richtig durchgeführt worden” – und der Fahrt nach Berlin. Letztere Aktion zeigt, dass die Prinzenpaare zwar vor allem, aber nicht nur, als Stimmungsmacher unterwegs sind, sondern Stadtfarben und Wappen durch die Region und eben darüber hinaus tragen. Die Stippvisite im Bundestag blieb jedenfalls nicht lange unbemerkt.
Dass das Stadtprinzenpaar zusammengefunden hat, ist einem Zufall zu verdanken: Ein Urlaub mit dem Fußballteam hatte Julian I. in seine jetzige Rolle gebracht. Vor sechs Jahren sei er überhaupt erst “in den Karneval hineingerutscht”, damals als Adjutant. Bis zum Spitzenposten im Velberter Karneval hat es demnach nicht lange gedauert. Bei Lina I. schwingt deutlich mehr närrische Tradition mit: “Ich bin da eigentlich reingeboren”, sagt sie. Die Eltern seien im Karnevalsverein gewesen, der Sprung in die Kindergarde war dann ein konsequenter Schritt. Zweimal als Hofdame begleitete Velberts Stadtprinzessin dann andere Tollitäten. “Und dann war es irgendwann auch mein Traum, einmal Prinzessin zu sein”, so Lina I. “Und ich hatte die große Klappe”, wirft Julian I. ein. Mit dem Karneval hatte der jetzige Stadtprinz zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts zu tun. “Wenn du Prinzessin wirst, ich werde dein Prinz”, erinnert Lina, wie es angefangen hat – und bald gemeinsam endet.
“Das macht mich ein bisschen stolz”
“Bisher haben wir nur positives Feedback bekommen”, freut sich Julian I. Besonders viel Spaß machten beiden die “kleineren Termin”. Besuche bei lokalen Unternehmen oder in Altenheimen. “Man merkt, dass die Menschen sich wirklich freuen, auch wenn wir meistens gar nicht lange da sind”, so Lina I. “Das macht mich ein bisschen stolz, dass wir anderen eine Freude bereiten können”.
Stadtprinz Julian bringt es auf den Punkt: “Der Karneval ist ja einfach nur Freude bereiten, Spaß miteinander haben und ein bisschen Stimmung machen!”. Man sehe oft das Strahlen in den Augen bei den Menschen, freut er sich. Die Narrenzeit in Velbert ist längst keine Randerscheinung mehr – das habe sich jüngst auf dem Prinzentreffen im Vergleich mit anderen Tollitäten gezeigt, wie Lina I. verrät. “Es gibt Prinzenpaare, die haben nur zwei Leute dabei, das ist auch schön, aber wenn wir einen Termin haben, sind die Garden und Fanfaren dabei: Wow, Velbert kommt mit so vielen Leuten”.
Ob es besondere Highlights gegeben hat? “Ich möchte gar nichts herauspicken. Alles hat seinen Reiz und seinen Charme”, so Julian I. Für seine Prinzessin sind es die “kleinen Termine” – jene mit “vielen persönlichen Kontakten”. Einen Gänsehautmoment haben beide allerdings bei der Proklamation erlebt: 600 Leute im Saal, darunter viele Freunde und Familienangehörige – “das werden wir wohl so nie wieder erleben”, schwärmt der Prinz.
Die Session steuert nun noch auf einige Höhepunkte – darunter die Karnevalszüge in Velbert – zu, bevor der Hoppeditz am 18. Februar beerdigt. Bis dahin gibt es allerdings noch reichlich Programm, so etwa bei der Partysitzung und der Kostümsitzung am Freitag und Samstag, 30. und 31. Januar, wenn im Forum Velbert kräftig gefeiert wird. Für die Tollitäten ist der Kalender voll, die Termine sind eng getaktet: “Wir gehen ab jetzt jeden Tag raus”, so Lina I. Die Feste sind lang für die närrischen Delegationen, die Nächte meistens kurz. Der Alkohol fließt für das Prinzenpaar aber nicht in Strömen. “Wir haben ja Hebefiguren dabei, da kann ich nicht vorher zehn Bier trinken”, mahnt Julian I. an sich selbst. “Sonst schmiert sie mir ab”.
Das Resümee der Tollitäten: “Velbert muss sich nicht verstrecken!”, so Julian I. Egal wohin es geht, ob in Richtung Düsseldorf oder Köln – Velbert habe den Städten rund um die großen Karnevalshochburgen nicht selten einiges voraus. “Dank der vielen Ehrenamtlichen”, freut sich der Stadtprinz. Das Engagement sei, was den Karneval ausmache und nach vorne bringe.

