"Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung" waren ein Negativpunkt bei der Velberter Bewertung. Foto: Volkmann
"Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung" waren ein Negativpunkt bei der Velberter Bewertung. Foto: Volkmann

Velbert. Das Auto stehenlassen, stattdessen den geplanten Weg mit Bus und Bahn oder gar dem Fahrrad antreten – so soll ein Schritt hin zur Mobilitätswende aussehen. Was es für letzteres braucht, ist ein ausgebautes und sicheres und damit attraktives Radwegenetz. Beim Fahrradklima-Test 2022 schnitt Velbert allerdings erneut nicht gut ab. 

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club wertet einmal pro Jahr die Ergebnisse einer Umfrage unter Radfahrenden aus und vergibt Schulnoten unter anderem für die Breite der Fahrradwege, die Falschparkkontrolle auf Radwegen oder die Führung an Baustellen – genau diese drei Faktoren wurden im vergangenen Jahr von Radelnden bei der Umfrage durchschnittlich am schlechtesten bewertet.

Auch in Velbert sind die Bereiche um Baustellen eine der „Baustellen“, die bemängelt werden – im Fahrradklima-Test 2022 gab es dafür die Note 4,9. Schlechter bewertet wurden nur noch die Ampelschaltungen für Radfahrer, die Breite der Radwege und die Verfügbarkeit von öffentlichen Räder oder Fahrradverleih-Stationen. Für letzteres vergaben die Zweiradfans die Note 5,5 auf einer Skala, die lediglich bis 6 reicht.

Velbert landete letztlich auf Rang 104 von 113 Städten mit ähnlicher Größe. Auf Landesebene reicht es zu Platz 41 von 46 in der Ortsklassengröße. Der Fahrradklima-Test wird alle zwei Jahre durchgeführt, damit bleibt Zeit für Verbesserungen. Die Bilanz für Velbert jedoch: Konstanz auf niedrigem Niveau. Die Durchschnittsnote liegt bei gerundet 4,5.

Vor elf Jahren lag Velbert noch bei einer Durchschnittsnote von 4,2, seitdem ging es schrittweise nach unten.

Manko: Radfahrsicherheit in Velbert

Velberts Radfahrende sind vor allem in den Sicherheitsbereichen eher unzufrieden: Der Winterdienst auf Radwegen erhält eine 4,8; ebenso die Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Fahren auf Radwegen sowie auf Radfahrstreifen bewerten die Zweirad-Fans mit einer 4,7, genauso das Fahren im Mischverkehr mit Autos. Ebenfalls nicht besonders gut kommt die Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr an: Laut Umfrageauswertung liegt Velbert bei einer 4,8.

Einzelauswertungen der Antworten zeichnen ein noch detailliertes Bild von dem, was Radelnden in Velbert negativ auffällt. Demnach geben 46 Prozent der Befragten an, in Velbert seien die Wegen für Radfahrende oft zu schmal; über die Hälfte der Antwortenden gibt an, man träfe vielfach auf Hindernisse auf
Radwegen und Radfahrstreifen, so etwa Laternen, Werbeständer oder Drängelgitter. Hier gab es immerhin im Vergleich zu 2020 eine Verbesserung von 0,3 Punkten.

Positive Seiten im Velberter Fahrradverkehr? Gibt es auch: Fahrräder werden nach Angaben der Radelnden selten gestohlen.

Und trotz der Stagnation sind Verbesserungen auf niedrigem Niveau aus den Ergebnissen ablesbar, vor allem bei Stellenwert des Radfahrens insgesamt sowie der Sicherheit; in beiden Kategorien lief es für Velbert in vorhergegangenen Umfrage deutlich schlechter – als Vorletzter in der Größengruppe.

Beim örtlichen ADFC übt man deutliche Kritik angesichts der jüngsten Ergebnisse: „Das ist erneut ein blamables, aber kein überraschendes Ergebnis“, meint Holger Boden, beim ADFC Velbert für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Damit ist Velbert weiterhin und unverändert auf einem der allerletzten Plätze gelandet. „Die örtliche Politik unternimmt einfach zu wenig und das auch noch zu spät. Traurig, aber wahr“.

Bei dem Velberter Verein beklagt man vor allem die Sicherheitsaspekte: „Sehen Sie sich die haarsträubende Situation auf der Friedrich-Ebert-Straße in der Nähe des ZOB an: Weiterhin werden die Radfahrer auf eine erschreckend schmale ‚Fahrradspur‘ verwiesen, rechts vom Bürgersteig bedrängt, links vom vorbeirauschenden Verkehr gefährdet. Oder fahren Sie mal mit dem Rad auf der Heidestraße an dem neuen REWE-Markt vorbei. Sie werden von den Verkehrszeichen radikal in den Bereich hinein ‚gezwungen‘, der von Fußgängern zu nutzen ist, die den Markt verlassen“, so Boden. Es sei ein „glattes Wunder“, dass es noch keine schweren Unfälle gegeben habe.

Der ADFC gibt an, man habe die Stadtverwaltung „unmittelbar nach Markteröffnung auf alle diese gefährlichen Orte hingewiesen“. Nur geschehen sei bislang nichts. „Alle Erkenntnisse sind bei der Stadt vorhanden“, so Holger Boden. „Was dringend fehlt ist eine Veränderung der Einstellung, die über politische Lippenbekenntnisse hinausgeht“.

Beim ADFC Velbert wünscht man sich mehr Engagement, um den Radverkehr sicher zu machen. „Zuletzt haben sich viele Städte in Größenordnung der Stadt Velbert aber auf den Weg gemacht und die Situation der Radfahrer im Interesse aller Bürger vor Ort verbessert, auch wenn das Geld kostet“, meint Holger Boden. Das habe sich über all gelohnt.