Kreis Mettmann. „Hallo Oma, ich bins“ – so beginnen oftmals Textnachrichten die sich hinterher als Betrugsmasche herausstellen. Die Täterinnen und Täter drücken dabei auf die Tränendrüse: Es geht um eilige Rechnungen, Notsituationen oder schlimme Unfälle. Ihre Opfer setzen die professionell agierenden Banden emotional unter Druck, um an Geld und Wertsachen zu gelangen.
Für die Betrüger-Banden sind Telefon-Tricktaten ein lukratives Geschäft. Das deutete sich jüngst bei einem Verfahren vor dem Landgericht Bielefeld an. Zwei jungen Männern wird vorgeworfen, elf zumeist ältere Menschen mit falschen Polizeianrufen betrogen zu haben. Der finanziell Gesamtschaden bei den lediglich elf Fällen soll rund eine halbe Million Euro betragen.
Die Taten laufen oft ähnlich ab: Das Telefon klingelt oder eine Textnachricht erscheint im Display. Es melden sich angebliche Familienangehörige oder Amtsträger, die von Notfällen oder Problemen berichten. Ist die Geschichte erzählt und der emotionale Druck groß genug, geht es den Opfern ans Geld oder alternativ an Wertsachen.
Verbreitet sind insbesondere die Maschen der „falschen Polizei“ oder des „Schockanrufs“. Beide machen statistisch rund 80 Prozent der Vorfälle im Bereich der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen mit überregionaler Tatbegehung, so nennt die Polizei das Phänomen, aus. Populär ist auch der „Enkeltrick“. Kontaktierungen über den Messengerdienst WhatsApp nehmen laut Kreispolizeibehörde zudem deutlich zu.
Auch im Kreis Mettmann kommt es wellenweise zu einer Häufung solcher Tricktaten, die laut Kreispolizeibehörde oftmals im Versuch stecken bleiben, aber eben nicht immer. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr durchschnittlich 162 Taten pro Monat im Kreisgebiet – in 94,80 Prozent der Fälle waren die Täterinnen und Täter nicht erfolgreich. Die verbleibenden rund fünf Prozent führen im Ergebnis jedoch zu einem finanziellen Schaden von rund 2,1 Millionen Euro. Die Summe hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt.
Aufklärungskampagnen sollen helfen, damit die zumeist älteren Menschen gar nicht erst auf die Betrüger-Banden hereinfallen. Informationen und Vor-Ort-Aktionen, darunter die mobilen Angebote an den „Streifenwagen“ der Kreispolizeibehörde, sollen sensibilisieren und dazu anhalten, auf Aussagen per Telefon nicht zu vertrauen. Die einfache Faustformel: Wer zurückruft, kann sich rückversichern.
Verbraucherschützer klären auf und helfen
Verbraucherschutzorganisationen warnen längst und immer wieder: „‚Hallo Oma, ich bins‘ – mit der als Enkeltrick bekannten Betrugsmasche finden kriminelle Anrufer immer noch häufig ihre Opfer“, schreibt hierzu die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher im Kreis Mettmann. Der Verein hat das Projekt der „Digitalpaten“ initiiert, um Seniorinnen und Senioren fit zu machen für die vernetzte Welt.
Die Täter „melden sich per Telefon als Enkel oder Neffen und täuschen im Gespräch eine finanzielle Notlage vor“, erklärt man bei der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher. „Sie seien Opfer eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung“. Rhetorisch seien die Betrüger geschickt. So unterschiedlich die Maschen sind, sie alle eint das Ziel: Angerufene dazu bringen, einen hohen Geldbetrag zu überweisen oder vom Konto abzuheben und zu übergeben.
„Nahezu täglich fallen immer noch vor allem ältere Menschen auf diesen Trick herein“, so die Verbraucherschützer. Und zwar obwohl „in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehsendungen regelmäßig über diese Betrugsmasche informiert“ wird.
Die Betrüger bedienen sich moderner Technik, verbergen Telefonnummern oder blenden falsche ein – manchmal sogar die „110“. Was Tricktäter für einen Erfolg unbedingt brauchen: Menschen, die zuhören. Je länger die Unbekannten ihre Lügengeschichten erzählen können, desto größer wird der emotionale Druck. Einfach auflegen – so lautet eine häufige Empfehlung auch der Kreispolizei bei dubiosen Anrufen Unbekannter. Meldet sich am anderen Ende der Leitung jedoch ein „Polizist“ oder „Staatsanwalt“ oder ist das Weinen einer Frau zu hören, kann es eine Herausforderung sein, den Hörer „einfach“ aufzulegen.
Den „Enkeltrick“ austricksen
Wer unsicher ist, ob er dem Druck am Telefon standhalten kann oder auf Nummer sicher gehen möchte, kann selbst technische Hilfsmittel nutzen, um den Schutz zu erhöhen. „Der wirksamste Schutz ist natürlich, wenn die Anrufer vergeblich anrufen – weil sich niemand meldet“, so die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher im Kreis Mettmann. Dort rät man zu einem verblüffend simplen Schutzmechanismus: dem Anrufbeantworter.
„Betrüger hinterlassen ungern Spuren“, so der Verbraucher-Verein. „So werden sie mit Sicherheit nicht auf ein Tonband sprechen.“ Bei vielen Anrufbeantwortern könnten zudem vorher festgelegte Anrufe einfach durchgestellt werden – „zum Beispiel wenn die Kinder oder Freunde anrufen“. Die anderen Anrufe könnten blockiert werden, so der Rat der „Digitalparten“. Sie helfen mit der Technik, denn mitunter verfügt die heimische Telefonanlage längst über einen Anrufbeantworter, der „jedoch aktiviert und besprochen“ werden müssen. Manchmal wüssten die Telefonbesitzer nicht, wie man das Hilfsmittel einschaltet.
Und: Auch sollte beim Besprechen auf die richtigen Informationen achten, erklärt Erwin Knebel vom Verbraucher-Verein. „‚Ich bin derzeit nicht zu Hause‘ ist beispielsweise nicht empfehlenswert“.
Der Anrufbeantworter kann selbst in Fällen helfen, in denen ein betrügerischer Anruf mit einer möglichen Rückrufbitte es durch die technische Schutzmauer und auf Tonband – oder heutzutage den Speicherchip – schafft: Das Abhören der Nachricht ist kein Live-Anruf, nimmt den Druck aus der Situation und räumt den Angerufenen etwas ein, das Betrüger keinesfalls wollen: Zeit zum Nachdenken.
Die Digitalpaten, eine ehrenamtliche Initiative zur Förderung der digitalen Kompetenz älterer Menschen, bieten ihre Unterstützung an, um vorhandene Anrufbeantworter zu aktivieren und zu besprechen. Mobilgeräte können in den örtlichen Sprechstunden der Digitalpaten aktiviert werden, die auf der Internetseite www. digitalpaten.nrw zu finden sind. Bei Festnetzanschlüssen kommen Digitalpaten auch ins Haus. Interessierte können sich telefonisch unter 0176 46 72 5541 melden oder eine E-Mail an info@digitalpaten.nrw senden, um einen Termin zu vereinbaren.