Jan-Dirk Platek schreibt in seinem Buch "Schizophrenie - Wenn das Gehirn Dir Streiche spielt" über sein Leben. Foto: Volkmann
Jan-Dirk Platek schreibt in seinem Buch "Schizophrenie - Wenn das Gehirn Dir Streiche spielt" über sein Leben. Foto: Volkmann

Velbert. Jan-Dirk Platek hat ein Buch geschrieben. Es geht um Schizophrenie und das Leben damit – und um persönliche Erfahrungen. Der Velberter möchte seine Geschichte erzählen und vor allem Mut machen: „Mann kann trotz Erkrankung ein erfülltes Leben führen“. 


Jan-Dirk Platek wirkt äußerlich gesund: Ein Mann im besten Alter, gut gelaunt, ein Lächeln auf den Lippen. In seinem Inneren sieht es anders aus, „manchmal düster“, wie Platek es beschreibt. Der Velberter ist an Schizophrenie erkrankt – eine Herausforderung für ihn, vor allem jedoch für sein Umfeld, denn die schizophrene Psychose als Krankheit ist schwer zu greifen. Freundschaften sind für Jan-Dirk Platek zerbrochen, sogar seine Ehe. Seiner damaligen Frau hat er die Erkrankung verschwiegen: „Ich habe mich geschämt für meine eigene Diagnose“. Auch seine heute elf Jahre alte Tochter wusste lange nichts – bis zum Jahr 2023 als der Velberter eine psychotische Episode erlitt. Heute wisse er: Das Verschweigen der Krankheit sei ein Fehler gewesen. „Es war das Schlimmste, das ich ihr hätte antun können“.

Die Erkrankung manifestiert sich bei Platek in religiösen Motiven, obwohl er zur Kirche gar keinen Bezug hat. Begonnen hat alles im Jugendalter. „Das war im Jahr 1998“, so der Velberter. Kurz nach dem Abitur auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium sei er „in ein Loch gefallen“, kurze Zeit später folgte die Diagnose. Mit dem Wissen von heute blickt Jan-Dirk Platek auf sein Leben zurück, schrieb nieder, was ihn beschäftigt hat und teils noch heute beschäftigt. Es geht auch um Schwerz und Enttäuschung, denn leicht hatte der heute 48-Jährige es nicht. Sein Buch soll daher viele Botschaften senden. Eine davon: „Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Schizophrenie, wenn sie medikamentös gut eingestellt sind, keine Gefahr darstellen“. Hinter der drastischen Formulierung stecken persönliche Erfahrungen. „Man bekommt ein Stigma aufgedrückt“, erklärt Platek. „Der ist ja verrückt. Mit dem will ich nichts zu tun haben“. Freunde distanzierten sich, ließen die Beziehung ausschleichen. Oft konfrontiert werde er von anderen damit, er habe eine gespaltene Persönlichkeit, wie der Velberter erzählt.

Diese verbreitete Annahme ist falsch. Die dissoziative Identitätsstörung und die Schizophrenie sind unterschiedliche Erkrankungen mit völlig unterschiedlichen Symptomen, lediglich der Sprachgebrauch vermischt beides. Diese Pauschalisierung macht es Betroffenen noch schwerer. Jan-Dirk Platek hat keine abgespaltenen Selbstanteile, keine verschiedenen Biografien, sondern lediglich eine – darüber schrieb er sein Buch. Auf den knapp 120 Seiten geht es um die gesamte Brandbreite der Gefühle, Cannabis, Beziehungen, um Freundschaften und Meinungen. Es geht um das Leben. Und das schreibt seine eigenen Regeln, wie auch Platek erfahren musste. Heute führt er ein erfülltes Leben, hat eine neue Partnerin, die von der Erkrankung weiß und sie akzeptiert. Zu seiner Tochter hat der Velberter einen guten Kontakt.

Auch beruflich ist es anders gelaufen als erhofft. Dafür ist allerdings nicht die Schizophrenie verantwortlich, sondern mit der Multiplen Sklerose eine Autoimmunerkrankung, deren Symptome Jan-Dirk Platek erstmals vor vier Jahren spürte. Die MS ist eine Erkrankung mit vielen Gesichtern: Der 48-Jährige sieht sich mit Taubheitsgefühlen und einem beeinträchtigten Gleichgewichtssinn konfrontiert. Seinen Beruf als Veranstaltungstechniker konnte er damit nicht mehr ausüben. Über zehn Jahre lang arbeitete Platek zuvor bei der Stadt Velbert. „Das geht alles nicht mehr“, so der Velberter über jenes Kapitel, das für ihn im Jahr 2023 endete. „Das hat mir erstmal den Boden weggezogen.“

Für Platek öffneten sich neue Türen: Im Schreiben hat er eine Leidenschaft gefunden. Der Velberter arbeitet an einem neuen Buch: „Kleinstadt-Jesus“. Es gehe eher um die Peripherie seiner Erkrankung – „um Dinge, die ich nicht verstehe“, so Platek. Auch zwei Kinderbücher hat er verfasst. Ohnehin ist es die Kreativität, die den 48-Jährigen immer wieder aufs Neue fesselt. Mit seiner Musik schaffte er es im Jahr 2018 ins BBC-Radio, heute seien es Fotografie und Literatur, die ihn fesselten.

Trotz zweier unheilbarer Erkrankungen: Für den 48-Jährigen gibt es ein Happy End. „Jetzt möchte ich anderen Betroffenen Mut machen und sagen: Man kann trotz Erkrankung ein erfülltes Leben führen“, so Jan-Dirk Platek. 

„Ich werde es schaffen“ – mit diesen Worten endet sein Buch.

Erhältlich ist das Buch mit der ISBN 9798346076216 zum Preis von 10,99 Euro.