
Velbert. Eine Velberter Unternehmerin macht sich für ein Thema stark, das oft unsichtbar bleibt, Betroffene jedoch enorm belasten kann: Depressionen.
Das Velberter Familienunternehmen Stehling Stanztechnik wird von einem Geschwisterduo geleitet. Neben Dennis Stehling lenkt Schwester Miriam die Geschick der Metallfirma, die 1967 gegründet wurde.
Miriam Stehling macht sich abseits des Arbeitsalltags für ein ganz anderes Thema stark – eines, das unsichtbar ist, Betroffene jedoch leiden lässt. Nicht zuletzt, weil Mitmenschen Vorurteile hegen. “Depression zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen unserer Zeit”, so Miriam Stehling. “Dennoch wird sie im Alltag, in Unternehmen und im gesellschaftlichen Miteinander noch immer verdrängt”. Schweigen, Unsicherheit und falsche Vorstellungen führten dazu, dass viele Betroffene sich zurückziehen – “obwohl gerade hier Unterstützung notwendig wäre,” so die Geschäftsführerin. Sie setzt sich daher für Aufklärung ein, bringt das Thema Depression an die Öffentlichkeit. Ein mutiger Schritt gehört dazu: Die eigene Geschichte greifbar machen. “Seit meinem 19. Lebensjahr lebe ich mit Depression. Über viele Jahre war mein Umgang damit vor allem von Funktionieren, Anpassung und dem Versuch geprägt, nach außen stabil zu wirken”, offenbart Stehling. Mit der Zeit sei ihr klargeworden, dass ein permanentes Durchhalten kein Zeichen von Stärke sei, sondern langfristig sogar gefährlich sein könne.
Stehling hebt hervor: “Depression ist kein persönliches Scheitern, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die Wissen, Aufmerksamkeit und einen offenen Umgang erfordert”.
Dauerbelastung: Unternehmerische Verantwortung – auch für Mitarbeiter
In ihrer Position als Unternehmerin in Velbert trägt sie Verantwortung für Mitarbeitende, Strukturen und Entscheidungen. “Aus dieser Haltung heraus habe ich begonnen, mich bewusst und fachlich mit den Ursachen und Auswirkungen von Dauerbelastung auseinanderzusetzen”, so Stehling. Die Velberterin hat sich im Bereich Change- und Stressmanagement weitergebildet, um “innere Prozesse, Überforderung und Anpassungsdruck besser einordnen zu können”. Das sei keine bloß theoretische Ergänzung gewesen, sondern eine notwendige Vertiefung der eigenen Erfahrung. “Sie gaben mir Sprache, Struktur und konkrete Handlungsmöglichkeiten”, erklärt Miriam Stehling.
Parallel dazu hat sie eine Ausbildung zur Hundetrainerin absolviert. Nicht ohne Grund: “Hunde reagieren unmittelbar auf die innere Verfassung des Menschen. Stress, innere Unruhe oder emotionale Spannungen bleiben für sie nicht verborgen, sondern zeigen sich direkt im Verhalten. Diese direkte Rückmeldung hat meinen Blick auf Selbstregulation, Beziehung und Verantwortung weiter geschärft.”
Heute setzt sie sich für Aufklärung, Entstigmatisierung und einen sachlichen Umgang mit Depression ein. Miriam Stehling folgt damit der Haltung der Deutschen Depressions-Liga. “Genau diese Form der Aufklärungsarbeit ist mir wichtig: nicht emotionalisierend, sondern erklärend, einordnend und orientierend”.
Die Rückmeldungen bestärken Stehling positiv: “Seitdem ich meine Erkrankung öffentlich gemacht habe, hat sich der Umgang in meinem beruflichen und privaten Umfeld spürbar verändert.” Für viele andere Betroffene sei nun leichter, offen zu sprechen, Fragen zu stellen und Hilfe anzunehmen. “Es geht mir nicht darum, zu beschönigen oder zu polarisieren, sondern sichtbar zu machen, was viele betrifft und dennoch häufig verdrängt wird. Depression geht uns alle an. Wegzusehen hilft nicht – hinschauen kann Leben verändern und retten”, mahnt Miriam Stehling.
Die Unternehmerin erklärt, sie möchte Menschen mit Klarheit und Einordnung wachrütteln. “Der Weg mit einer Depression fühlt sich für viele Betroffene an, als wäre er auf Dynamit gebaut: Jeder Schritt ist unsicher, jede Überforderung kann gravierende Folgen haben”, so Stehling. Es brauche daher Wissen, Sprache und Mut, um Orientierung und Sicherheit zu schaffen.
Ihr Anliegen: Ein öffentlicher Appell. “Nicht wegzusehen, sondern hinzuschauen, Verantwortung übernehmen und ansprechbar sein – damit Endstigmatisierung nicht nur ein Wort bleibt, sondern gelebte Realität wird”.

