Moritz Klees, Monika Benninghoff und Tim Wedde. Foto: Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann
Moritz Klees, Monika Benninghoff und Tim Wedde. Foto: Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann

Ratingen. Von der Sucht in ein neues Leben: Der 24-jährige Tim Wedde aus Ratingen plant eine außergewöhnliche Wanderung quer durch Deutschland.


Vom westlichsten Punkt Deutschlands in Isenbruch bis zum östlichsten Ort Deschka will er rund 850 Kilometer zu Fuß zurücklegen. „Ich möchte zeigen, dass es einen Weg aus der Sucht gibt“, sagt Tim Wedde. „Viele Menschen fühlen sich verloren und glauben nicht mehr an sich. Ich möchte Hoffnung geben und motivieren, den ersten Schritt zu gehen.“

Tim Wedde weiß, wovon er spricht. Seine Geschichte ist geprägt von Abstürzen, Rückschlägen und Neuanfängen. Mit 13 Jahren begann er Cannabis zu konsumieren, mit 15 verkaufte er Drogen, später folgten härtere Substanzen. Mehrere Entgiftungen, Therapien und sogar eine Haftstrafe gehörten zu seinem Leben. „Ich war einsam und völlig orientierungslos“, erinnert er sich. Trotz verschiedener Hilfsangebote fiel er immer wieder in alte Muster zurück. Erst mit Anfang zwanzig erkannte er, dass sich etwas grundlegend ändern musste. „Auf einer Feier wurde mir plötzlich klar: So kann es nicht weitergehen. Wenn ich überleben will, muss ich mein Leben ändern.“

Prägend war für ihn ein Kollege während seiner Ausbildung, der ihm neue Perspektiven eröffnete und die Bedeutung von Gesundheit, Sport und persönliche Entwicklung vorlebte.

Heute nutzt Tim Wedde soziale Medien, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Unter seinem Account berichtet er offen über seinen Weg aus der Sucht, über Herausforderungen und Erfolge. „Viele Menschen schreiben mir, weil sie selbst betroffen sind oder Angehörige unterstützen möchten. Ich möchte zeigen, dass Veränderung möglich ist. Mein Motto lautet: Dein Neuanfang beginnt hier.“

Unterstützung erhielt Tim auch durch Angebote der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann. Auch wenn er die Unterstützung während der Suchtzeit abgebrochen hat, möchte er etwas für die Angebote der Diakonie in der Suchthilfe etwas tun. „Ich wünsche mir, dass dieses Angebot auch in Zukunft für alle Menschen erreichbar bleibt, die Hilfe brauchen. Deshalb sammle ich Spenden für die Suchthilfe.“

Monika Benninghoff, Leitung der Suchthilfe der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann, begrüßt das Engagement: „Tim zeigt eindrucksvoll, dass Veränderung möglich ist. Suchterkrankungen betreffen Menschen aus allen Lebensbereichen. Umso wichtiger sind niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote. Wir freuen uns sehr über seine Initiative und wünschen ihm für seine Wanderung viel Kraft und viele Begegnungen.“

Am 1. Juli soll die Wanderung beginnen. Geplant sind täglich etwa 25 Kilometer. Im Gepäck: Zelt, Kamera, Powerbank und das Nötigste für unterwegs. Tim Wedde wird die Reise weitgehend autark bestreiten und hofft dabei auch auf die Unterstützung der Menschen entlang seines Weges.
„Wenn ich einen Schlafplatz, etwas zu essen oder Wasser brauche, werde ich Menschen ansprechen und auf ihre Hilfsbereitschaft vertrauen.“

Mit seiner Aktion möchte er Spenden für die Suchthilfe der Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann sammeln und Menschen Mut machen, die noch mitten in ihrer Suchterkrankung stecken (Spendenkonto: Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann, KD Bank, IBAN DE04 3506 0190 1013 7280 18, Verwendungszweck: „Kilometer für Hoffnung“).